Interdisziplinäres Kompetenzzentrum Gefäßchirurgie (IKG)
Wundmanagement
Verschlusskrankheit der hirnversorgenden Halsaterien Thrombendarteriektomie (TEA) ... Gefäßerweiterungen Diabetisches Fußsyndrom Krampfaderleiden Postthrombotisches Syndrom Ulcus cruris Modernes Wundmanagement Anlage von Dialysefisteln Die Behandlung von Gefäßerkrankungen ist ein wichtiger Schwerpunkt der EuromedClinic
Herzkreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigsten Todesursachen. Herzkreislauferkrankungen treten besonders im Alter auf. Die Zahl älterer Menschen hat in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen und wird sich auch in Zukunft weiter erhöhen. Dementsprechend sind Erkrankungen des Blutkreislaufes auf dem Vormarsch und ihre Behandlung gewinnt künftig weiter an Bedeutung. Die Schaffung von Kompetenzzentren in der Gefäßmedizin ist damit nicht nur eine logische Konsequenz, sondern auch eine ethische Pflicht, wenn wir unsere Patienten optimal behandeln wollen. Um diesen Anspruch gerecht zu werden, haben wir ein interdisziplinäres gefäßchirurgisches Kompetenzzentrum unter der Leitung von Herrn Prof. Böttger (Gefäßchirurg und Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie), Frau PD Dr. Meyer (Chefärztin der Klinik für Dermatologie), Herrn Dr. Mocny (Internist) sowie Herrn Dr. Eisenkolb (Radiologe) gegründet. Gerade bei Gefäßerkrankungen ist eine enge Zusammenarbeit nicht nur im stationären sondern auch überlappend zum ambulanten Bereich notwendig. Es ist uns daher eine große Freude Herrn Prof. Dr. Günther als niedergelassenen Gefäßchirurgen in Nürnberg für unser Team gewinnen zu können.
In einem Zentrum wird Kooperation groß geschrieben. Ärzte unterschiedlicher Fachrichtung beraten gemeinsam über die beste Behandlungsmethode für jeden individuellen Patienten (interdisziplinäre Therapieentscheidung). Damit erhält jeder Patient das für ihn optimale Behandlungskonzept. Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: Kürzere Wege, weniger Arztwechsel, Vermeidung von Doppeluntersuchungen, und- vielleicht am wichtigsten – alle modernen Therapiemöglichkeiten auf höchstem Niveau und unter einem Dach.
Die optimale Behandlung von Gefäßerkrankungen verlangt das Spezialwissen mehrerer medizinischer Fachrichtungen. Ein einzelner Arzt kann nicht alle heute zur Verfügung stehende Behandlungsmöglichkeiten beherrschen. Moderne Gefäßmedizin besteht aus drei Schwerpunkten. Dazu gehört die internistisch ausgerichtete konservative Behandlung von Gefäßerkrankungen (Angiologie). Zunehmende Bedeutung gewinnt die Katheterbehandlung bei verengten Blutadern (endovaskuläre Chirurgie oder interventionelle Radiologie). Bei diesem Verfahren wird die Gefäßverengung mit einem Ballon aufgedehnt und kann durch eine innere Gefäßstütze (Stent) offen gehalten werden. Der dritte Schwerpunkt in der Gefäßmedizin ist die Behandlung des Patienten durch eine Operation (Gefäßchirurgie), z.B. die Ausschälung einer Blutader oder die Überbrückung mit einem Bypass.
Das Gefäßzentrum verfügt über nachfolgend dargestellte diagnostische und therapeutische Möglichkeiten.
Die Versorgung des Hirnes erfolgt über insgesamt 4 Gefäße: die jeweils paarigen Kopf- und Wirbelarterien (Arteria carotis und Arteria vertebralis). Hochgradige arteriosklerotische Veränderungen finden sich bei der älteren Bevölkerung in ca 8% ab dem 65. – 80. Lebensjahr im Bereich der Kopfschlagadergabelung im oberen Halsbereich. Nach heutigen Erkenntnissen ist ein Schlaganfall in 60 % durch obliterative Veränderungen der Halsschlagader verursacht.
Bei Blutdruckabfall, Abschwemmen von Blutgerinnseln oder plötzlichem Verschluss kommt es zum Schlaganfall mit Lähmungen oder Gefühlsstörungen auf der entgegengesetzten Körperhälfte. Leichtere Schlaganfälle können sich ohne Folgen zurückbilden, in schwereren Fällen bleibt eine erhebliche Behinderung oder ständige Pflegebedürftigkeit zurück. Andere Symptome sind plötzlicher Sehverlust eines Auges oder Schwindelgefühl. Im Falle einer Einengung über 70 % sollte die Möglichkeit eines operativen Eingriffes für Patienten mit Beschwerden oder prophylaktisch bei Beschwerdefreiheit erwogen werden. Eine Besserung bestehender Symptome ist nicht zu erwarten, das Ziel ist die Vermeidung eines Schlaganfalles. Vor der Operation erfolgt eine Ultraschalluntersuchung, bei unklaren Befunden auch die Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel (CT-Angiographie).
Ebenfalls notwendig ist eine Computertomographie des Schädels zum Nachweis von Hirninfarkten. Die Standardtherapie besteht in einer Ausschälplastik des Gefäßes mit Patch (Flicken)plastik. Der Eingriff ist wenig belastend, die Genesung zügig. Selten kann es im Zuge der Operation zu Schlaganfällen kommen, das Risiko ist bei Einengungen über 70 % jedoch ohne Operation weitaus höher.
Thrombendarteriektomie (TEA) der A. carotis interna und Patchplastik
Hochgradige Carotisstenose in der Angiographie und intraoperative Technik
Die absolute Risikoreduktion eines Schlaganfalles durch die Operation der verengten Halsschlagader beträgt bei symptomatischen mittel- bis hochgradigen Carotisstenosen 4,6 % bis 16 %, bei symptomfreien Patienten 6 % innerhalb von 5 Jahren.
Gefäßerweiterungen – Aneurysmen
Gefäßerweiterungen = Aneurysmen treten an vielen Regionen des Körpers auf, sind jedoch am häufigsten an der Bauchschlagader=Aorta unterhalb der Nierenarterien lokalisiert. Sie machen zwar meistens keine Beschwerden, es besteht jedoch die Gefahr, dass die Aorta platzen kann oder dass Blutgerinnsel, die sich in der Aussackung gebildet haben, ins Bein wandern können und dort die Durchblutung verstopfen = Embolie. Das das Risiko von Komplikationen wächst mit der Größe des Aneurysmas. Aneurysmen ab einer Größe von 5 cm Durchmesser sollten operativ oder interventionell ausgeschaltet werden, im Einzelfall sogar bei kleineren Durchmessern.
Diagnostiziert werden diese Aneurysmen häufig im Rahmen von Routineultraschalluntersuchungen beim Hausarzt. Als ergänzende Methode, insbesondere falls eine operative Ausschaltung von Aneurysmas in Frage kommt, werden wir weitere Untersuchungsmethoden wie eine Computertomographie oder auch eine Angiographie veranlassen.
Multiplanara Darstellung eines Bauchaortenaneurysmas im CT und in der Angiographie
Soll eine Operation durchgeführt werden, so werden wir zuvor zur Abschätzung des individuellen allgemeinen Operationsrisikos eine zusätzliche Untersuchung bei einem Herzspezialisten veranlassen.
Anhand aller Untersuchungsbefunde wird das Verfahren ausgesucht, wie das Aneurysma behandelt werden kann. Die klassische Form geht mit der Eröffnung der Bauchhöhle einher. Eine Gefäßersatzprothese wird in das Aneurysma genäht. Seit den 90er Jahren hat sich als Alternative die Ausschaltung mittels sogenannter Endoprothesen etabliert. Diese Prothesen werden nach Punktion über die Leistenschlagadern mit einem Katheter im Aneurysma platziert. Dieser Eingriff ist deutlich schonender, der stationäre Aufenthalt beträgt im Vergleich zur offenen Operation meist nur wenige Tage.
CT Rekonstruktion BAA Operative Ausschaltung durch Rohr- oder Y – Prothese
Durchblutungsstörungen der Arme/Beine – periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Eine der häufigsten Orte der Arteriosklerose = Gefäßverkalkung sind die Gefäße, die die Beine und deutlich seltener die Arme versorgen.
Über längere Zeit sind diese Veränderungen nur messbar (Stadium I). Die Beschwerden sind anfänglich Schmerzen unter Belastung z.B. in den Hüften und Oberschenkeln oder auch in den Waden. Je weiter die Durchblutungsstörung fortschreitet, desto früher treten diese Schmerzen auf (Stadium II). Von einer kritischen Ischämie = Minderdurchblutung spricht man wenn bereits unter Ruhebedingungen, häufig auch nachts, Schmerzen geklagt werden (Stadium III). Schließlich beginnt Gewebe abzusterben. Die Haut, häufig an den Zehen beginnend, wird schwarz (Stadium IV). In den beiden letzten Stadien ist dringender Handlungsbedarf gegeben, es droht die Gefahr, das Bein zu verlieren.
Ob Durchblutungsstörungen vorliegen können wir mit einfachen Ultraschalluntersuchungen klären. Wichtig ist neben weiteren Untersuchungen die vergleichende Blutdruckmessung an Armen und Beinen. Liegt eine Durchblutungsstörung als Ursache Ihrer Beschwerden vor und kommt eine Revaskularisation = Wiederherstellung der Durchblutung in Frage, so werden wir bildgebende Verfahren zum Einsatz bringen wie die farbkodierte Duplexsonographie (FKDS), die MR Angiographie (MRA) und die Digitale Subtraktionsangiographie (DAS). Anhand dieser Verfahren klären wir, auf welche Art und Weise die Gefäßwiederherstellung erfolgen kann und wie hoch die Risiken des Eingriffes sind. So wird eine individuelle Risiko-Nutzen-Analyse möglich, anhand eine Entscheidung für und wider eine Operation möglich wird.
Die zur Behandlung zur Verfügung stehenden Revaskularisationsmethoden umfassen sowohl durch Gefäßpunktion durchführbare Katheterverfahren wie Ballonerweiterungen = Perkutane Transluminale Angioplastien PTA oder das Einbringen von Gefäßstützen = Stents als auch jede Form von offenen Schnittoperationen wie die Entfernung des Gefäßkalks oder Bypassoperationen. Auch Kombinationen der einzelnen Verfahren werden je nach Erfordernis durchgeführt.
Beidseitiger Verschluss im Bereich der Beckenetage, Revaskularisation durch Bypass
Profundaplastik
Angiographie: Multiple Verschlüsse im Ober- und Unterschenkelbereich
Sequenteller Bypass auf das III. Popliteasegment und den Unterschenkel
Diabetisches Fußsyndrom
Als Diabetiker gehören Sie zum Großteil der Bevölkerung der westlichen Industrienationen, die an der „ Volkskrankheit“ Diabetes mellitus leiden.
Was ist ein Diabetisches Fußsyndrom?
Eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus stellt sich das Diabetische Fußsyndrom (DFS) dar. Ursächlich für das Auftreten eines Diabetischen Fußsyndroms ist eine Kombination zwischen Neuropathie (Nervenerkrankung) und Durchblutungsstörung (PAVK).
Als unser Patient werden Sie daher interdisziplinär in enger Zusammenarbeit der Abteilungen für Diabetologie, Gefäßchirurgie und Radiologie behandelt.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die sensorische Neuropathie führt zu einem Verlust der Wahrnehmung von Temperatur, Berührung und Vibration. Als Betroffener können Sie das Vorhanden-sein von Steinchen im Schuh oder die Beschaffenheit des Bodens beim barfuß Laufen nicht mehr richtig wahrnehmen.
Die motorische Neuropathie bewirkt eine Fehlstellung der Zehen („Krallenzeh“) und damit ein verändertes Gehmuster. An den Fußsohlen bilden sich Hornhautplatten, die zu einem erhöhten Druck auf die Fußknöchelchen führt.
Die autonome Neuropathie schließlich führt durch den Verlust der Schweißproduktion zu trockener, rissiger Haut. Für Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze stellt der Verlust der Schutzfunktion der Haut eine ideale Eintrittspforte dar, so dass sich sehr leicht Infektionen ausbilden können.
Prophylaxe und Behandlung der DFS:
Im Vordergrund der Arbeit in der diabetologischen Fußambulanz steht die neurologische und angiologische Basisdiagnostik zum Nachweis oder Ausschluss von Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen im Sinne einer Risikoeinordnung und Prävention des DFS.
Eine Schulung zu vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung eines Diabetischen Fußsyndroms kann durchgeführt werden.
Sollten Sie bereits einen Defekt an Ihren Füßen bemerkt haben, erfolgt eine fachgerechte, den Leitlinien der Fachgesellschaft entsprechende und den verschiedenen Wundheilungsphasen angepasste Versorgung.
Untersuchungsmethoden:
• 10 g-Monofilament zur Überprüfung des Berührungs- und Druckempfindens
• Kontrolle des Vibrationsempfindens mit der C 128 Stimmgabel
• Prüfung des Temeraturempfindens mittels TipTherm®
• Untersuchung der Schweißsekretion mit dem NeuroPad®
• Messung der Durchblutung durch peripheren Doppler
Falls ein gefäßrekonstruktiver Eingriff notwendig ist, ist die Verwendung körpereigener Vene am Unterschenkel obligat. So kommen entsprechend der internationalen Studienlage die besten Langzeitergebnisse erzielt werden. Ein besonderer Schwerpunkt von uns liegt in der Therapie des ischämischen diabetischen Fußes. Laut WHO werden in Deutschland noch zu viele Extremitäten amputiert. Vor einer Amputation sollte jeder Patient einen Gefäßchirurgen vorgestellt werden, ein cruraler oder pedaler Bypass kann häufig große Gliedmaßenamputationen verhindern oder die Amputationsgrenze nach distal verschieben.
Diabetische Gangrän Popliteo-pedaler Bypass Minoramputation nach Bypass
Tibialis posterior Bypass Anschluss auf die A. dosalis pedis
Krampfaderleiden (Varikosis)
Krampfadern und damit verbundene Beschwerden gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Ursächlich liegt dem Krankheitsbild eine angeborene Bindegewebsschwäche zu Grunde. Zur Verschlimmerung des Zustandes tragen stehende Tätigkeiten und Schwangerschaft bei. Durch den Ausfall der Klappfunktion im oberflächlichen System kommt es zu Störungen des Bluttransportes zum Herz sowie zur Stauung mit Erweiterung und Schlängelung der Venen. Durch vorhandene Kurzschlüsse zwischen dem tiefen und oberflächlichen System kann die Störung auf die tiefen Venen übergehen. In diesem Fall entwickelt sich ein Stauungsödem mit entsprechenden Beschwerden und Hautveränderungen. Im Endstadium kommt es zum Gewebeuntergang, zum offenen Bein (Ulkus).
Subjektiv werden Stauungsgefühl, ziehende Schmerzen im Unterschenkelbereich und Beinschwellung, besonders in der warmen Jahreszeit, angegeben. Gelegentlich kommt es zu schmerzhaften Venenentzündungen (Phlebitis), Hautveränderungen von Verfärbungen bis zum Gamaschenulkus sind möglich.
Warum soll ein Krampfaderleiden behandelt werden?
Der oben geschilderte Sachverhalt hat folgende Konsequenzen: Zunächst kommt es zu einer Druckerhöhung in den Hautvenen, was eine vermehrte Venenzeichnung und Besenreiser-Bildung insbesondere in Höhe des Sprunggelenges (Knöchel) nach sich ziehen kann. Durch den Rüclfluss von Blut aus dem tiefen in das oberflächliche Venensystem entsteht eine Überladung der oberflächlichen Venen, was zu einer vermehrten Lymphproduktion führt und dann Schwere- und Spannungsgefühl verursacht und auch sichtbare Lymphödeme (=geschwollene Beine) erzeugen kann.
Wenn dieser Zustand unbehandelt über Jahre auf ein Bein einwirkt, können sich hieraus Hautschäden bis zum Ulcus crusis (=offenes Bein) entwickeln.
Reticuläre Varizen (=Besenreiser)
Hierbei handelt es sich um erweiterte, intracutane (= in der Lederhaut befindliche) Venen. Diese besitzen an sich keinen Krankheitswert und sind in erster Linie kosmetisch störend. Wenn man oder frau sich ihrer entledigen möchte, kommt für die größeren das Sklerosierungsverfahren (=Verödung) in Betracht.
Hierbei werden die Besenreiser mit einer sehr dünnen Nadel anpunktiert und dann ein Verödungsmittel (normalerweise ein spez. Alkohol) injiziert. Hierdurch verkleben die Venenwände entweder direkt oder es kommt zu einer Gerinnselbildung in dieser kleinen Vene. Die Gerinnselbildung leitet dann den abbauprozess der so geschädigten Besenreiser ein.
Teleangiektasien
So heißen die kleinen Verwandten der Besenreiser. Es handelt sich hier um kleine, stichförmige, rötliche Gefäße der Oberhaut, die auch keinen Krankheitswert besitzen. Aufgrund des sehr kleinen Gefäßdurchmesser sind diese mitunter extrem schlecht zu veröden. Diese können jedoch gut mit einem entsprechenden Laser (Excimerlaser) beseitigt werden. Die verschiednen Lasertypen werden vom Medizinischen Zentrum Bonn vorgehalten.
Die Behandlung von Krampfadern
Krampfadern (Varizen) werden abhängig vom Stadium und der Ausprägung der Krankheit unterschiedlich behandelt.
Wir legen größtern Wert auf eine "stadiengerechte" und individuell angepasste Therapie, d.h. nicht pauschal immer gleich Entfernung der gesamten Venenstämme, wenn nur kleine Abschnitte davon erkrankt sind. So ist gewährleistet, dass nur kranke Venen entfernt werden und gesunde Abschnitte beispielsweise noch für eventuelle Bypass-Operationen zur Verfügung stehen. Wir führen hier zu Ihrer Orientierung deshalb die unterschiedlichen Zustandsbilder und ihre jeweiligen Therapieoptionen auf.
Diagnostik
Schon eine einfache orientierende Untersuchung durch Betastung und Ultraschall genügen uns, um eine ziemlich genaue Einschätzung der erfoderlichen Therapie abgeben zu können. Vor eoner größeren OP werden unsere Patienten aber stets mithilfe einer "Duplex-Sonographie" bei uns ganz genau untersucht: so kann der Facharzt ganz präzise feststellen, welche Venen in welcher Weise erkrankt sind und dann mit dem Patienten zusammen die hierfür individuell optimal geeignete Therapie mit den besten Erfolgsaussichten einerseits und der geringsten Belastung des Patienten andererseits zusammenstellen.
Die "Phlebographie", eine Röntgenuntersuchung nach Injektion eines Kontrastmittels in die Venen, wird heute praktisch nicht mehr durchgeführt. Vom Ergebnis der angiologischen Untersuchung hängt dann das genaue weitere Vorgehen ab.
Folgende Behandlungsmöglichkeiten gibt es:
- Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen
- Sklerosierung (Verschluss der Venen nach Injektion eines entsprechenden Medikamentes)
- Sowie die operative Entfernung der Krampfadern.
Operative Therapie
Das Prinzip der Operation beruht auf der Entfernung bzw Zerstörung erkrankter Venen des oberflächlichen Systems. Voraussetzung ist dabei die Unversehrtheit der tiefen Venen.
- Stripping
Es ist das älteste Verfahren zur Behandlung der Stammvenenerkrankung und stammt aus dem Jahr 1907. Hier werden die Venenstämme auf einen dicken Draht aufgefädelt und dann mit erheblicher Kraft aus dem Bein gezogen. Dabei reißen die Seitenäste und das umgebene Bindegewebe und die Lymphgefäße ein und es kommt zur Ausbildung ausgedehnter Blutergüsse. Nach der OP müssen deshalb für mindestens 6 Wochen kräftige Kompressionsstrümpfe getragen werden. Die Patienten sind meit 2-3 wochen lang arbeitsunfähig. Das Verfahren ist das am meisten verbreitete und wird meist in tiefer Narkose durchgeführt. Lokale Entfernung der Krampfadern ohne die Stammvenen: per Schnitt oder winzigem Stich werden in örtliche Betäubung ausgezogen.
- CHIVA-Verfahren
Ebenfalls eine ältere Methode (aus Frankreich), bei der man das Ziel verfolgt, die Venenstämme möglichst zu erhalten und nur die erkrankten Zuflüsse zu unterbinden. Die Idee dabei war, dass sich dann die Venenstämme wieder erholen würden. Leider funktioniert diese Idee in der Praxis meist sehr schlecht und das Verfahren hat eine extrem hohe Rate an Nachoperationen, weshalb es in der wissenschaftlichen neutralen Betrachtung so schlecht abschneidet, dass es heute als nicht mehr empfehelnswert bei den Fachgesellschaften für Chirurgie gilt. Mit der Methode einher gehen außerdem wiederum zahlreiche Schnitte und Narben und eine lange Tragezeit der Kompressionsstrümpfe.
- Laserverödung
Hierbei wird der Venenstamm durch eine Lasersonde, welche beim Stripping in das Gefäßinnere der erkrankten Stammvene eingeführt wird, verödet. Seitenäste müssen wiederum durch kleine Schnitte/Stiche entfernt werden. Die Methode ist besonders sicher und schonend und kann auch ambulant und in örtlicher Betäubung hervorragend so vorgenommen werden, dass die Patienten bereits am nächsten Tag weitgehend wieder ihr normales Leben führen können.
- Endoskopische Stammvenenentfernung
Hier wird die erkrankte Stammvene ganz sanft und schonend mittels eines Endoskops aus dem Bein entfernt, ohne Seitenäste oder andere Gefäße anzureissen, wie dies beim klassischen Stripping stets geschiet. So wird eine blutfreie Entnahme der erkrankten Vene gewährleistet und der Patient kann sofort wieder arbeiten und muss keinen Strumpf tragen.
Postthrombotisches Syndrom – Folgeerkrankung nach einer Thrombose
Hierunter versteht man die Folgeschäden nach einer Thrombose. Die Thrombose hinterlässt je nach Ausmaß fast immer einen Schaden an den Klappen der Venen. Diese sind für den Rückfluss des Blutes zum Herzen von größter Bedeutung. Haben diese ihre Fähigkeit zum Klappenschluss verloren, kommt es zur Stauung desvenösen Blutes mit Schweregefühl und Schwellung des Beines, Krampfaderbildung, Braunverfärbung am Innenknöchel bis hin zum offenen Bein = Ulcus cruris.
Es werden zur Untersuchung die gleichen Methoden angewendet wie bei der Untersuchung von Krampfadern.
Die Behandlungsmöglichkeiten sind jedoch deutlich eingeschränkter. So bleibt meist nur das lebenslange Tragen von Kompressionsstrümpfen. Operative Eingriffe haben in der Regel nur einen palliativen, vorübergehenden Effekt und werden daher nur selten durchgeführt.
Postthrombotischer Symptomkomplex mit Stammvaricosis und Braunverfärbung der Haut
Ulcus cruris – Offenes Bein
Hierbei handelt es sich um eine chronische Wunde am Unterschenkel, das meist an der Innenseite auftritt und dessen Ursache sehr häufig ein Schaden am Klappenapparat der Venen ist. Andere Gründe können aber auch arterielle Durchblutungsstörungen sein oder Entzündungen kleinster Blutgefäße oder auch Kombinationen von allem sein. Wichtig ist herbei die exakte Diagnose. Wir werden daher zunächst Durchblutungsmessungen der Arterien und Venen durchführen. Wenn die Ursache hieraus nicht erkennbar wird, so werden Blutuntersuchungen und u.U. auch feingewebliche Untersuchungen der Haut vorgenommen.
Bei Bedarf werden unsere dermatologischen Fachkollegen hinzugezogen.
Die Behandlung sollte zunächst bevorzugt ambulant erfolgen, soweit es sich um eine venöse Grunderkrankung handelt. Entscheidend ist hierbei die Kompressionsbehandlung. Falls das Geschwür sehr stark fortgeschritten ist oder auch kombinierte Ursachen vorliegen, werden wir Ihnen zu einer stationären Behandlung raten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich immer ein operativer Eingriff anschließt.
Ulcus Cruris bei ausgeprägter Varicosis
Modernes Wundmanagement
Um eine chronische Wunde erfolgreich behandeln zu können, bedarf es einer interprofessionellen Wundversorgung durch die Zusammenarbeit verschiedener Fachabteilungen. Vom Arzt oder dem Pflegepersonal auf Station werden in der EuromedClinic und EuromedClinic Allgemeines Krankenhaus konsiliarisch erfahrene Chirurgen sowie die Wundexperten Herr Markus Gärtner oder Herr Rene Wobbrock beauftragt die Wunde zu begutachten. Herr Gärtner und Herr Wobbrock sind Mitarbeiter aus der Krankenpflege, die sich mit dem Thema des „medizinisch-pflegerischen Wundmanagements" intensiver und in externen Schulungen auseinander gesetzt haben. Zusätzlich werden bei Bedarf weitere Fachdisziplinen (Innere Medizin, Angiologie, Diabetologie,...), die Krankengymnastik, eine Diätberatung und weitere Fachkräfte herangezogen.
Als externe Unternehmen wirken gegebenenfalls Sanitätshäuser beratend und unterstützend bei der Hilfsmittelversorgung mit. So kann der Arzt eine optimale, auf den Patienten abgestimmte Wundtherapie verordnen.
Ziele eines modernen Wundmanagementes sind:
• Rasche Wundheilung
• Schonende, atraumatische Verbandwechsel
• Verhindern von Wundinfektionen
• Beseitigung von Wundheilungsstörungen
• Schmerzfreie Wunden
• Kostenbewusste Versorgung
Die Schwerpunkte eines modernen Wundmanagementes liegen:
1. Wunddiagnostik (Abklärung der Wundursache)
Hierzu zählen differentialdiagnostische Maßnahmen durch den Arzt erhoben wie die Abklärung von Hypertonie, Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen des Gefäßsystems sowie der Erhebung des Ernährungszustands und des neurologischen Status. Dazu kommt noch die Blutbestimmung. Erstellung einer Anamnese unter Berücksichtigung von Eigen- und Fremdanamnese, Verlegungsberichten, Arzt- und Pflegebericht sowie biografischen Daten. Nach Beurteilung der aktuellen Wundsituation und im Abgleich mit den erhobenen Daten erfolgt eine individuell für den Patienten angepasste Wundtherapie.
Eine chronische Wunde ist keine eigenständige Erkrankung. Sie ist das Symptom einer Grunderkrankung. Eine erfolgreiche Wundbehandlung setzt unter anderem die gleichzeitige Behandlung der Grunderkrankung voraus.
Meist betrifft es Patienten mit
• Ulcus Cruris (offenes Bein)
• Diabetischem Fußsyndrom
• Arterielles Verschlussleiden
• Dekubitus (Druckgeschwür)
2. Therapieplanung
Neben der fachlichen Kenntnis, die eine Pflegekraft hat, liegt die Verantwortung für die richtige Vorgehensweise bei dem behandelnden Arzt. Dies schließt aber nicht aus, dass die Pflegekraft mit dem zuständigen Arzt sehr eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten sollte. Die Kombination der praktischen Erfahrung von Arzt und Pflege führen zu einer hohen Behandlungskompetenz die sich für Patient und dessen Behandlungserfolg positiv auswirken können.
Der Behandlungsplan und dessen Kriterien:
• Analyse der Probleme und Ressourcen
• Formulierung messbarer, realistischer Ziele
• Festlegung der Wundbehandlungsmaßnahmen
• Festlegung von Strategien und Kriterien für den weiteren Therapieverlauf
• Überprüfungstermine zur erneuten Bewertung des Wundstatus
Die Geschichte der Wundversorgung unterliegt durch immer wieder neu gewonnenen Erkenntnissen einem ständigen Wandel. Sie begann bereits in vorgeschichtlicher Zeit. Wunden wurden mit Hilfe von Blättern, Erde, Rinde oder Bast verbunden.
In der griechischen Antike setzte man Silber zum desinfizieren von Wasser ein. Die schmerzlindernde Wirkung von Opium und Kräutern war bereits bekannt. 1878 entdeckt Robert Koch Bakterien als Ursache von Wundinfektionen.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Wunden mit Mullkompressen und Watte trocken behandelt. Dies führte zu Verklebungen und zur Zerstörung des neu gebildeten Gewebes. 1962 entdeckte der englische Mediziner George Winter die Vorteile der feuchten Wundversorgung. Seit 1985 hat sich das Prinzip der interaktiven Wundverbände und feuchten Wundbehandlung durchgesetzt. Feuchte Wundversorgung bedeutet, die Verbandsmaterialien so zu wählen, dass sich die Wunde in einem gleichmäßig feuchten Milieu befindet. Dabei orientiert man sich an den aktuellen medizinischen Erkenntnissen einer phasengerechten Wundbehandlung.
Durch das Fachwissen aller Beteiligten wird in Zusammenarbeit mit dem Patienten ein Therapiekonzept erstellt. Bei den wöchentlichen Wundvisiten durch die Wundtherapeutin wird der Heilungsverlauf überprüft und bei Bedarf die Therapie, nach Rücksprache mit dem Arzt, neu angepasst.
3. Beratungsgespräch
Während eines Beratungsgesprächs mit dem Patienten und/oder seinen Angehörigen werden alle Aspekte, die zum Abheilen der Wunde relevant sind besprochen. Hier erfährt der Patient, wie er durch sein Verhalten selbst zu einem positiven Heilungsverlauf beitragen kann. Wichtig dabei ist, die Wundursache aufzuzeigen. Es werden die momentan geplanten Maßnahmen erörtert.
Einschränkungen die der Patient durch die Wunde erfährt (Schmerzen, Geruch, Schlafstörungen, körperliche und/oder psychische Belastungen...) versucht man durch geeignete Gegenmaßnahmen auszuschalten. Dies führt dann zu einer effektiven Verbesserung der Lebensqualität des Patienten.
4. Dokumentation und Verlaufskontrolle
Dokumentation ist eine Anforderung durch Gesetzgeber und Kostenträger. Ziel ist es eine erfolgreiche oder aber ineffiziente Maßnahme nachvollziehbar zu machen um weitere verbesserte Schritte abzuleiten. Ein weiterer Aspekt der Dokumentation ist, medizinische und pflegerische Leistungen transparent und nachvollziehbar zu machen, was eine bessere Beurteilung des Heilungsverlaufs zulässt.
Dokumentiert werden folgende Punkte:
• Lokalisation der Wunde
• Heilungszustand der Wunde
• Allgemeiner Wundzustand
• Größe der Wunde
• Durchgeführte Prophylaxen
• Durchgeführte Therapien
Der Erfolg der Wundbehandlung hängt auch von der Kommunikation zwischen dem Arzt, der Pflegekraft und dem Patienten bzw. dessen Angehörigen ab. Sollte es hier zu Problemen kommen, ist die Wunddokumentation ein probates Mittel, um Fehler zu vermeiden
5. Entlassung
Bei der Entlassung des Patienten erhält der weiterbehandelnde Arzt, sowie das weiterversorgende Alten- und Pflegeheim bzw. die Sozialstation als Überleitung in den ambulanten Bereich einen ausführlichen Wundbrief. Dieser enthält alle Informationen über die aktuelle Wundsituation und die momentan verwendeten Produkte. Damit wird eine reibungslose Weiterversorgung sichergestellt.
Anlage von Dialysefisteln
Die Therapie des chronischen Nierenversagen besteht aus der Hämodialyse. Hierbei wird über eine Punktion der Venen das Blut in ein entsprechendes Gerät geleitet, dort mit einer Dialyselösung über eine Membran von auszuscheidenden Substanzen gereinigt und dem Körper über eine weitere Punktion zugeführt. Um einen ausreichenden Blutfluss und damit eine effektive und zügige Dialyse zu gewährleisten, wird ein Kurzschluss zwischen einer Arterie und einer Vene angelegt (Shuntoperation). Dies kann in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose erfolgen. Im Allgemeinen wird versucht, die körpereigene Vene als potentielle Punktionsstrecke zu entwickeln. Ist die Vene zu schwach oder nach mehrmaligen Punktionen unbrauchbar, kommen Kunststoffprothesen zum Einsatz.
Prinzipiell sind folgende Lokalisationen möglich:
Handgelenk bzw. Unterarm (Vene, selten Kunststoff)
Ellenbeuge bzw. Oberarm mit oder ohne Vorverlagerung der tiefen Vene oder mit Kunststoff
Verlängerungen zum Hals
Oberschenkel (Vene oder Kunststoff)
Alternativ kommt die Anlage von Dialysekathetern im Hals- oder Schulterbereich in Frage.
Brescia Cimino Fistel am Unterarm
Veneninterponat Kunststoffloop
Kontakt über:
Tel. 0911 9714-686
Dr. med. Michael Mocny - Innere Medizin 1
Prof. Dr. med. Thomas C. Böttger - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
PD Dr. med. Stefanie Meyer - Klinik für Dermatologie und Ästhetik
Dr. med. Alexander Eisenkolb - Radiologie








