Behandlungsspektrum, EuromedClinic

Angststörungen


Angst ist ein Gefühl, das jeder Mensch in der ein oder anderen Situation schon einmal erlebt hat. Sie ist ein sehr altes Gefühl, das in der Entwicklung über die Jahrtausende hinweg eine wichtige Funktion zum Überleben der jeweiligen Arten hatte und auch immer noch hat. Sie bereitet den Betroffenen in der Bedrohungssituation auf Flucht oder Kampf vor und stellt den Körper durch die Bereitstellung entsprechender Energie und dazugehörigen körperlichen Reaktionen  (z.B. Blutdruckerhöhung, Pulsbeschleunigung, Muskelanspannung, erhöhte Aufmerksamkeit) darauf ein. Grundsätzlich ist Angst also ein gesundes Gefühl, um sich von bedrohlichen Situationen fernzuhalten oder sich in derartigen Situationen angemessen verhalten zu können. Von einer Angststörung sprechen wir erst dann, wenn das Ausmaß des Angstgefühls der Situation nicht mehr angemessen ist. Die Heftigkeit der Reaktion ist beim Vorliegen von Angststörungen vom Verstand her nicht mehr nachvollziehbar (z.B. Spinnen sind hierzulande in den allermeisten Fällen nicht gefährlich), dennoch übernimmt die Angst in der Situation die Steuerung des Verhaltens und des Denkens. Unterschieden wird zwischen auf bestimmte Objekte gerichtete Ängste, den sogenannten Phobien (z.B. soziale Phobie = Angst vor anderen Menschen; Klaustrophobie = Angst vor engen Räumen/Fahrstühlen; Arachnophobie = Angst vor Spinnen), und ungerichteten Ängsten, die „aus heiterem Himmel“ aufzutauchen scheinen (z.B. Panikstörung = Attacken intensiver Angst). Angststörungen können das Leben im Extremfall so stark einschränken, dass es nicht mehr möglich ist, das Zuhause zu verlassen.

 

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Neben biologischen und genetischen Einflüssen spielen für die Wahrscheinlichkeit, eine psychische Störung zu entwickeln, auch viele Dinge eine Rolle, die im sozialen Umfeld, in der eigenen Lebensgeschichte oder in aktuellen Verhaltens- und Erlebensweisen liegen. Dadurch eröffnet sich jedem Einzelnen die Möglichkeit, sein eigenes Risiko, an psychischen Störungen zu erkranken, zu verringern. Einfache Vorsorgemöglichkeiten sind, ein Gleichgewicht zwischen alltäglichen Pflichten bzw. Belastungen und angenehmen Dingen/Hobbys zu schaffen, ein verlässliches soziales Umfeld aufzubauen und regelmäßig Sport zu treiben. Außerdem kann Ihnen das Wissen über psychische Störungen, das Sie sich z. B. durch Fernsehsendungen oder Zeitungsartikel aneignen, bei der Vorbeugung helfen.
Mit dem Wissen über mögliche Beschwerden ist es Ihnen zusätzlich möglich, frühzeitig zu bemerken, wenn erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung bei Ihnen oder anderen in ihrem Umfeld auftreten. Wie bei den meisten körperlichen Erkrankungen ist eine Behandlung umso Erfolg versprechender, je früher die Störung erkannt wird.
Nach der erfolgreichen Behandlung einer psychischen Störung ist zudem eine sogenannte Rückfallprophylaxe sehr wichtig. Dabei werden Ihnen Mittel und Strategien zur Bewältigung möglicher Schwierigkeiten sowie Werkzeuge zur Erkennung von Frühzeichen bei einem eventuell erneuten Auftreten der Erkrankung an die Hand gegeben.

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Allgemeine Symptome*:

  • anhaltende Angst vor einer konkreten Sache (= spezifische Phobie: z.B. Spinnen), öffentlichen Plätzen (= Agoraphobie: z.B. Menschenmengen, Theater, Reisen), anderen Menschen (= soziale Phobie: z.B. im Mittelpunkt stehen, Essen in Gesellschaft anderer), aus heiterem Himmel Auftreten von Attacken intensiver Angst (= Panikstörung: z.B. Angst, in Ohnmacht zu fallen; Angst zu ersticken) oder ständiges Vorhandensein von unbegründeten Sorgen bzw. Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Dinge (= generalisierte Angststörung: z.B. Kinder, Familie, Gesundheit, Finanzen)
  • Versuch, den Kontakt mit Angst auslösenden Situationen oder Dingen zu vermeiden



Mögliche körperliche Symptome*:

  • Herzklopfen, Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Mundtrockenheit
  • Atembeschwerden
  • Beklemmungsgefühl
  • Brustschmerzen oder –missempfindungen
  • Übelkeit, Unruhegefühl im Magen
  • Gefühl von Schwäche, Schwindel, Unsicherheit oder Benommenheit
  • Verschwimmen der Umgebung (Unwirklichkeitsgefühl) oder Gefühl, neben sich zu stehen/nicht wirklich hier zu sein
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Gefühllosigkeit oder Kribbeln in einzelnen Körperteilen
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren, auszuflippen oder verrückt zu werden
  • Angst zu sterben
  • Muskelverspannung, Schmerzen in verschiedenen Körperteilen
  • Ruhelosigkeit und Unfähigkeit zu Entspannen
  • Nervosität, Gefühle des Aufgedrehtseins
  • Kloßgefühl im Hals
  • Schreckhaftigkeit
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsbeschwerden
  • Erröten
  • Verdauungsprobleme


Je nach Art der Angststörung treten verschiedene Symptome in den Vordergrund, andere hingegen treten gar nicht auf. Wie bei jeder psychischen Störung sind die Stärke und die Anzahl der vorliegenden Symptome zudem von Mensch zu Mensch verschieden.


*Die Darstellung der Symptome erfolgte in Anlehnung an das ICD-10, dem in Deutschland für die Diagnose von Krankheiten gültigen Klassifikationssystem.

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Bei der Erstellung einer psychischen Diagnose erfasst Ihr Arzt oder Psychologe Ihre aktuellen Beschwerden möglichst umfassend erfasst und anhand eines von der Weltgesundheitsorganisation weltweit einheitlichen Kriterienkatalogs, dem ICD-10 (= International Classification of Diseases), einer bestimmten Krankheit zuordnet. Diese Kriterien finden Sie unter dem Gliederungspunkt „Symptome“.

Da jeder Mensch einzigartig ist und entsprechend auch keine Krankheit der anderen gleicht – dies gilt vor allem im psychischen Bereich – stellen wir die Diagnose erst nach einem ausführlichen persönlichen Gespräch mit Ihnen. Bei der stationären Aufnahme findet zusätzlich eine körperliche Untersuchung statt, um auch wichtige körperliche Probleme nicht zu übersehen. Außerdem werden mit Hilfe von Fragebögen wichtige Bereiche abgefragt, die das persönlich entstandene umfassende Bild von Ihnen und Ihrem Umfeld noch ergänzen. Auf diese Weise können wir die Diagnose individuell bestimmen und einen persönlich auf Ihre Beschwerden abgestimmten Therapieplan entwickeln.

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Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse und Probleme. Entsprechend gleicht auch kein Störungsbild dem anderen. Hinter ein und derselben Diagnose steht jeweils eine eigene Lebensgeschichte. Aus diesem Grund werden die einzelnen Therapiebausteine inhaltlich speziell mit Ihnen auf Ihre Probleme abgestimmt. Einen formalen Überblick über unser Therapieprogramm mit seinen einzelnen Bestandteilen können Sie dem beispielhaften Therapieplan entnehmen. Allgemein gesprochen geht es darum, aktuelle Konflikte zu bearbeiten, Sie einschränkende Überzeugungen, Gedanken und Einstellungen zu hinterfragen, Ihre positiven Ressourcen zu aktivieren und neue zu schaffen sowie Ihre Gefühlswelt zu ordnen. Zudem ist es das Ziel, dort neue Verhaltensmuster aufzubauen, wo Ihnen bisher keine oder nur problematisch erscheinende Verhaltensmuster zur Verfügung standen bzw. stehen.


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