Behandlungsspektrum, EuromedClinic

Bandscheibenvorfall


Beim Bandscheibenvorfall (lat. Prolapsus nuclei pulposi, Discusprolaps) treten Teile der Wirbelsäule in den Spinalnerven- oder Rückenmarkskanal vor. Der Anulus fibrosus und das hintere Längsband reißt ganz durch, anders als bei der Bandscheibenprotusion, der Vorwölbung.

Am meisten betroffene Wirbel liegen im Lendenwirbelbereich, seltener betroffen sind Hals- und Brustwirbel. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 40 Jahren.
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Die gesamte Wirbelsäule ist sehr beweglich gleichzeitig aber auch in höchstem Maße stabil. Bedingt wird das durch den aus gallertartigem Gewebe bestehenden Kern (Nucleus pulposus) der Bandscheibe. Dieser kann bei einer Belastung die Funktion einer hydraulischen Kugel übernehmen.
23 Bandscheiben hat die menschliche Wirbelsäule insgesamt, wobei zwischen dem ersten Wirbel (Atlas) und dem zweiten (Axis) keine Bandscheibe vorhanden ist. Der Kopf erhält somit beim Nicken (Atlas) und Drehen (Axis) seine Bewegungsfreiheit. Zusätzlich befinden sich an dieser Stelle wichtige Nervenstränge und es konzentriert sich dort die Blutversorgung zum Kopf.

Ursachen für einen Bandscheibenvorfall:
  • langjährige Vorschädigung der Bandscheibe (Discus intervertebralis), bzw. deren Faserringgewebes (Anulus fibrosus)
  • Bindegewebsschwäche
  • genetische Schwächen
  • einseitige Belastungen in Beruf und Freizeit
  • muskuläre Schwäche
  • häufig bei Schwangerschaft
(Es darf auch nicht der aufrechte Gang und die Schwerkraft außer Acht gelassen werden. Es gibt Kinder mit einem Bandscheibenvorfall, hingegen aber alte Menschen, die noch nie Beschwerden mit den Bandscheiben hatten.)
Eine ausschließliche Schädigung der Bandscheibe durch Unfall oder Verletzung ist nicht als Ursache-Wirkungskette nachgewiesen, denn das gesunde Bandscheibengewebe reißt, wenn überhaupt, mit einem Stück Knochen aus dem Wirbelkörper.
Übergewicht verhindert eher Bandscheibenvorfälle, denn es kommt zu einer Nach-Vorn-Wölbung der Lendenwirbelsäule.

Mögliche Faktoren für den rasanten Anstieg von Bandscheibenvorfällen:
  • Bewegungsmangel
  • Fehlhaltung
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  • nur bedingte Vorbeugung durch Muskelaufbau und Medikamente (Vitamin C, Grünlippmuschelextrakt, Glucosamin u.a.)
  • Vermeidung des Hebens schwerer Lasten
  • gymnastische Übungen, Sport (Schwimmen, Tanzen, Laufen, Jogging, Nordic Walking, Reiten, Radfahren), Bodybuilding (Eher als problematisch einzustufen, ebenso wie Fitnesstraining, da die Anleitung in Fitnessstudios nicht immer professionell ist.)
    Reiten, Laufen auf zementiertem/asphaltiertem Untergrund und Rennradfahren sollten nach einem Vorfall jedoch vermieden werden.

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  • starke Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen können (Ischialgie)
  • Taubheitsgefühl in Füßen und Unterschenkeln
  • betroffen ist oft die Muskulatur, die Fuß, Zehen und Fußaußenrand hebt
  • Lähmungen an den Beinen, einhergehend mit Gangunsicherheit und Ausfall von Reflexen
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Bei bis zu 28% der Menschen ohne wesentliche Probleme mit der Wirbelsäule wird durch MRT- oder CT-Untersuchungen ein Bandscheibenvorfall entdeckt, d.h. er kann sich durchaus ohne die angesprochenen Symptome ereignen.
Bei Schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden, ein Neurochirurg, Neurologe oder Orthopäde kann die Diagnose stellen.
Wenn die Rückenschonhaltung eingenommen wird, lassen die Schmerzen ein wenig nach, jedoch sind nachlassende Schmerzen bei fortschreitender Lähmung ein Zeichen dafür, dass die schmerzleitenden (sensorischen) Fasern schon zerstört sind und die motorischen, robusteren Fasern folgen.
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a) konservative Behandlung mittels Physiotherapie und Chiropraktik-Streckgeräte
b) Schonung und leichte sportliche Betätigung zum Muskelaufbau
c) schmerzstillende Medikamente
d) seltener: Operation und somit Beseitigung des auf die Nervenwurzel drückenden Bandscheibenteils (auch mikrochirurgisch und minimal-invasiv). Sollte nur beim Auftreten von schweren neurologischen Ausfällen, wie Lähmungen, Stuhl-, Harninkontinenz, Reithosenanästhesie in Betracht gezogen werden.
e) Versteifung benachbarter Wirbelkörper durch eingebrachtes Metallmaterial (Spondylodese)
f) Akupunkturbehandlung
g) Therapie- und Diagnosetechniken wie Alexander-Technik, Hatha-Yoga oder McKenzie-Konzept.

Jährlich erfolgen ca. 30.000 Bandscheibenoperationen in Deutschland (weltweit sind es die häufigsten neurochirurgischen Eingriffe), jedoch ist diese Maßnahme durchaus umstritten, denn über 80% der Operationen sind als überflüssig einzustufen. Schwere neurologische Schäden, im EMG nachgewiesene Lähmungen, wie das Cauda-equina-Syndrom, begründen eine Bandscheibenoperation (Nukleotomie).
Obwohl in bestimmten Fällen somit zwingende Gründe für eine Operation vorliegen, differenzieren sich die Behandlungsresultate nicht-operativer Vorgehensweisen, wie mittels Akupunktur, Physiotherapie und durch Medikamente nicht maßgeblich voneinander. (Ergebnis der Studie: Spine Patient Outcome Research (SPORT))
Für eine Therapie sollte immer die Ursache des Bandscheibenvorfalls herangezogen werden.
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