Behandlungsspektrum, EuromedClinic

Psychosomatische Störungen


Bei einem Viertel aller Patienten mit körperlichen Beschwerden können keine organischen Ursachen gefunden werden, die für die Symptome verantwortlich sein könnten. Häufig werden diese Patienten als Simulanten abgestempelt und werden ohne weitere Behandlungsempfehlung nach Hause geschickt. Die Probleme bleiben jedoch meistens bestehen. Zusätzlich kommt das Gefühl hinzu, nicht ausreichend verstanden zu werden oder nicht ernst genommen zu werden. Im Alltagswissen ist schon lange bekannt, dass die Seele sich auch in körperlichen Veränderungen ausdrücken kann. In Ausdrücken wie „weiche Knie bekommen“, „kalte Füße bekommen“, „etwas auf dem Herzen haben“ oder „vor Scham erröten“ wird das direkte Wechselspiel zwischen Seele (= Psyche) und Körper (= Soma), die Psychosomatik, deutlich. Weitere Beispiele sind hoher Blutdruck, Sodbrennen, Kloß im Hals, Harndrang, Schwindelgefühl, Tinnitus, Rückenschmerzen oder Tinnitus. Auch umgekehrt besteht ein Zusammenhang: Wer Schmerzen hat, ist meistens schlecht gelaunt. Das Hauptmerkmal psychosomatischer Störungen ist jedoch, dass ausschließlich die körperlichen Missempfindungen wahrgenommen und berichtet werden können, auch wenn bereits mehrere medizinische Untersuchungen unauffällige Ergebnisse erbracht haben. Inzwischen hat die Forschung herausgefunden, dass zusätzlich zu einer organischen Abklärung beim Auftreten einer Erkrankung unter allen Umständen auch krank machende Lebensbedingungen (z.B. chronischer Stress, Überforderung am Arbeitsplatz, private Konflikte) und für jeden Menschen typische Denk- und Verhaltensmuter berücksichtigt und gegebenenfalls verändert werden sollten. In Fachkreisen unterteilt man psychosomatische Störungen in Somatoforme Störungen und Somatisierungsstörungen (s. Symptome).







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Neben biologischen und genetischen Einflüssen spielen für die Wahrscheinlichkeit, eine psychische Störung zu entwickeln, auch viele Dinge eine Rolle, die im sozialen Umfeld, in der eigenen Lebensgeschichte oder in aktuellen Verhaltens- und Erlebensweisen liegen. Dadurch eröffnet sich jedem Einzelnen die Möglichkeit, sein eigenes Risiko, an psychischen Störungen zu erkranken, zu verringern. Einfache Vorsorgemöglichkeiten sind, ein Gleichgewicht zwischen alltäglichen Pflichten bzw. Belastungen und angenehmen Dingen/Hobbys zu schaffen, ein verlässliches soziales Umfeld aufzubauen und regelmäßig Sport zu treiben. Außerdem kann Ihnen das Wissen über psychische Störungen, das Sie sich z. B. durch Fernsehsendungen oder Zeitungsartikel aneignen, bei der Vorbeugung helfen.
Mit dem Wissen über mögliche Beschwerden ist es Ihnen zusätzlich möglich, frühzeitig zu bemerken, wenn erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung bei Ihnen oder anderen in ihrem Umfeld auftreten. Wie bei den meisten körperlichen Erkrankungen ist eine Behandlung umso Erfolg versprechender, je früher die Störung erkannt wird.
Nach der erfolgreichen Behandlung einer psychischen Störung ist zudem eine sogenannte Rückfallprophylaxe sehr wichtig. Dabei werden Ihnen Mittel und Strategien zur Bewältigung möglicher Schwierigkeiten sowie Werkzeuge zur Erkennung von Frühzeichen bei einem eventuell erneuten Auftreten der Erkrankung an die Hand gegeben.
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Symptome der Somatisierungsstörung*:

  • Auftreten von vielen verschiedenen und wechselnden körperlichen Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren
  • Mehrfache Untersuchungen beim Hausarzt und verschiedenen Fachärzten oder dauerhafte Selbstmedikation
  • Zweifel an den unauffälligen körperlichen Befunden der verschiedenen Untersuchungen
  • Gastro-intestinale Symptome: Bauchschmerzen, Übelkeit, Gefühl von Überblähung, schlechter Geschmack im Mund, extrem belegte Zunge, Aufstoßen von Essen, Erbrechen, häufiger Durchfall, Austreten von Flüssigkeiten aus dem Anus
  • Kardiovaskuläre Symptome: Atemlosigkeit ohne Anstrengung, Brustschmerzen
  • Urogenitale Symptome: Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Probleme mit Häufigkeit der Toilettengänge, unangenehme Gefühle im Genitalbereich, ungewöhnlicher oder verstärkter vaginaler Ausfluss
  • Haut- und Schmerzsymptome: Fleckigkeit oder Farbveränderungen der Haut, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Schmerzen in Armen oder Beinen, unangenehme Taubheit, Kribbelgefühl


Symptome der somatoformen (autonomen) Funktionsstörung*:

- Körperliche Symptome:

  • Schweißausbrüche (heiß oder kalt)
  • Mundtrockenheit
  • Hitzewallungen
  • Erröten
  • Druckgefühl im Bauch, Kribbeln oder Unruhegefühl in der Magengegend
  • Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Herzgegend
  • wahrgenommene Unregelmäßigkeiten im Herzschlag, Probleme mit der Atmung
  • außergewöhnliche Ermüdbarkeit bei leichter Anstrengung
  • Luftschlucken, Schluckauf oder brennendes Gefühl im Magen oder im Brustkorb
  • Bericht über häufigen Stuhlgang
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder häufige Toilettengänge
  • Gefühl der Überblähung oder Völlegefühl

- vorhandene körperliche Symptome werden einer körperlichen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Verdauungssystems, des Atmungssystems oder des Harn- und Geschlechtsapparats zugeordnet
- in den genannten Organen keine Störungen feststellbar


Symptome der somatoformen Schmerzstörung*:

  • anhaltender, schwerer und belastender Schmerz in einem Körperteil, der die Aufmerksamkeit des Betroffenen fast vollständig fesselt
  • keine körperlichen Befunde vorliegend, die den Schmerz erklären könnten

Wie bei jeder psychischen Störung sind die Stärke und die Anzahl der vorliegenden Symptome bei allen drei Störungsbildern von Mensch zu Mensch verschieden. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Beschwerden verzögert häufig die richtige Diagnosestellung und führt dabei oft zu einem verlängerten Leidensweg.

*Die Darstellung der Symptome erfolgte in Anlehnung an das ICD-10, dem in Deutschland für die Diagnose von Krankheiten gültigen Klassifikationssystem.

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Bei der Erstellung einer psychischen Diagnose erfasst Ihr Arzt oder Psychologe Ihre aktuellen Beschwerden möglichst umfassend erfasst und anhand eines von der Weltgesundheitsorganisation weltweit einheitlichen Kriterienkatalogs, dem ICD-10 (= International Classification of Diseases), einer bestimmten Krankheit zuordnet. Diese Kriterien finden Sie unter dem Gliederungspunkt „Symptome“.

Da jeder Mensch einzigartig ist und entsprechend auch keine Krankheit der anderen gleicht – dies gilt vor allem im psychischen Bereich – stellen wir die Diagnose erst nach einem ausführlichen persönlichen Gespräch mit Ihnen. Bei der stationären Aufnahme findet zusätzlich eine körperliche Untersuchung statt, um auch wichtige körperliche Probleme nicht zu übersehen. Außerdem werden mit Hilfe von Fragebögen wichtige Bereiche abgefragt, die das persönlich entstandene umfassende Bild von Ihnen und Ihrem Umfeld noch ergänzen. Auf diese Weise können wir die Diagnose individuell bestimmen und einen persönlich auf Ihre Beschwerden abgestimmten Therapieplan entwickeln.

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Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse und Probleme. Entsprechend gleicht auch kein Störungsbild dem anderen. Hinter ein und derselben Diagnose steht jeweils eine eigene Lebensgeschichte. Aus diesem Grund werden die einzelnen Therapiebausteine inhaltlich speziell mit Ihnen auf Ihre Probleme abgestimmt. Einen formalen Überblick über unser Therapieprogramm mit seinen einzelnen Bestandteilen können Sie dem beispielhaften Therapieplan entnehmen. Allgemein gesprochen geht es darum, aktuelle Konflikte zu bearbeiten, Sie einschränkende Überzeugungen, Gedanken und Einstellungen zu hinterfragen, Ihre positiven Ressourcen zu aktivieren und neue zu schaffen sowie Ihre Gefühlswelt zu ordnen. Zudem ist es das Ziel, dort neue Verhaltensmuster aufzubauen, wo Ihnen bisher keine oder nur problematisch erscheinende Verhaltensmuster zur Verfügung standen bzw. stehen.


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